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Bayern und so weiter

Mood: a weng Grantig, a weng sauer, a weng gesellschaftskritischÜberraschend langer Text geworden.Für ein paar Politiker hier.Da ich aktuell in Nürnberg wohne und hier vor kurzem eine Razzia im Club "Waschsalon" stattfand, die für deutschlandweite Aufregung sorgt, habe ich das als Anstoß empfunden, meine Sicht der Dinge zu äußern. Ich bin in Bayern aufgewachsen und gehe seit einigen Jahren überall in Bayern elektronisch Feiern. Darüber hinaus hege ich ein reges Interesse für Drogen und stehe dafür auch offen dafür ein. Leider bin ich selber schon öfter Opfer von dubiosen Polizeikontrollen geworden, deren Rechtmäßigkeit ich mir leider nie sicher war. Ich will mich im Folgenden jedoch nicht nur auf die Clubkultur konzentrieren, sondern allgemein meine Meinung zum Umgang mit Drogen und Drogenkonsumenten, speziell wie ich es in Bayern erlebe, äußern.Ich suche schon länger den Sinn hinter der aktuellen Drogenpolitik und finde ihn leider einfach nicht. Auch finde ich die Stigmatisierung und das öffentlich geprägte Bild von "Drogen" und Drogengebrauchenden ziemlich fragwürdig. Ich will im Übrigen auf keinen Fall Polizei Bashing betreiben, nur zum Nachdenken anregen und fragen, ob noch eine Verhältnißmäßigkeit vorhanden ist. Und wo zum Teufel der Sinn dahinter steckt.Unten verlinkt ist ein Artikel zu dem Vorfall im Waschsalon. In aller Kürze: Club wird während der After Hour von der Polizei gestürmt, jeder Anwesende wird durchsucht - unter teils fragwürdigen Bedingungen – und jetzt versucht die Stadt Nürnberg wieder einmal After Hours komplett zu verbieten bzw. schlägt allen Ernstes vor, dort keine elektronische Musik mehr zu spielen. Da diese Musikrichtung laut Stadt vermehrt Drogenkonsumenten anziehen würde. Vielleicht wäre es eine Lösung, die sinnbefreite Sperrstunde aufzuheben, die Leute könnten dann bis 6 oder 7 im Club bleiben und dann nach Hause gehen. Und stünden nicht vor der Entscheidung eine separate After Hour starten zu müssen, die oft noch extra Eintritt kostet und für die man sich dann natürlich nochmal extra pushen will.Letztes Jahr wurde deswegen auch schon der Club Nano geschlossen, dieser musste im Laufe seines Bestehens 2 Razzien über sich ergehen lassen. In Ingolstadt gab es den gleichen Vorfall in der Batterie 94, einem sehr beliebten Techno Club, der ebenfalls zur Schließung geführt hat. Vor der Rakete, dem größten Nürnbeger Club für elektronische Musik, steht ab 6 Uhr morgens regelmäßig ein Mannschaftsbus der Polizei und durchsucht ganz ungezwungen einfach Jeden. Dort durfte ich selbst auch bereits zweimal in den Genuss einer Personenkontrolle kommen. Auf beinahe jeder Party, auf der ich in jüngeren Jahren war, ging das Gerücht herum, dass "Zivis" unterwegs seien und man den Club nicht verlassen solle, weil man vor der Tür kontrolliert wird. Hat leider meist auch gestimmt.Mittlerweile beschleicht mich das Gefühl, dass es auch innerhalb der Clubs zu immer strengeren Kontrollen seitens der Polizei kommt. So kenne ich mehrere Personen, die beispielsweise im Münchner Techno Club "MMA" willkürlich Personenkontrollen unterzogen wurden. Auch kann es passieren, dass die Tür zum Klo, auf welchem man sich gerade befindet, mal eben kommentarlos von der Polizei eingetreten wird. Auf der Suche nach Kleinstmengen irgendeiner verbotenen Substanz. In der internen Polizei Kette nach oben aufsteigen. Jeder noch so kleine Fund bringt wertvolle Punkte.Welcome to Bavaria.Wer in Bayern vor die Haustür geht, egal ob als als Drogengebrauchender oder nicht, ist sich bewusst, wegen jedem noch so kleinen Regelverstoß kontrolliert werden zu können.Bei Rot über die Ampel gehen ? - "Wir würden sie gerne einer Personenkontrolle unterziehen".Kein Licht am Rad ? - "Wir würden sie gerne einer Personenkontrolle unterziehen".Dreadlocks oder einen etwas ausgefallenen Kleidungsstil ? -"Wir würden sie gerne einer Personenkontrolle unterziehen".Süßlicher Geruch im Treppenhaus ?"-Wir würden gerne mal in ihre Wohnung schauen"Bauchtasche im Berlin Style lässig um die Schulter hängen ? -"Wir würden sie gerne sofort verhaften, durch diese Tasche outen sie sich als Drogendealer"Jeder Kiffer in Bayern kennt Geschichten, bei denen Leute wegen minimalen Besitz von Marihuana Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen mussten. Mit 14 oder 15 Jahren. Wir wussten auch schon früh, beim Autofahren immer die Mütze runter. Leute mit Mütze passen ins Raster der bayrischen Polizei.Interessiert man sich hier für Drogen, leidet man unter ständigem Verfolgungswahn. Es fällt schwer, auf Partys ungezwungen fremden Menschen zu vertrauen. Jeder kennt die Geschichten in München. Zivilfahnder schleichen sich nach Ende der Party auf private After Hours ein, versuchen Vertrauen zu gewinnen, fragen offensiv nach Drogen und konsumieren selbst, geben sich stundenlang nicht zu erkennen. Am Ende des Tages stehen dann die Kollegen mit den Haftbefehlen vor der Tür.Man will sich eben mal kurz Longpapes an der Tanke holen ? -" Fahr nicht zur Aral, da stehen Zivis und schauen wer Longpapes kauft".Ein Dreadlock Typ kommt auf einem Reggae Festival zu einem und fragt nach Gras, man will einen drehen, der Dreadlock Typ gibt sich als Zivilpolizist zu erkennen. Was klingt wie in einem schlechten Film, ist hier tatsächlich bittere Realität.Und wird man dann tatsächlich mal mit Drogen erwischt, leidet man unter den möglichen folgenden Konsequenzen: MPU, Führerscheinentzug, Verlust des Arbeitsplatzes, im schlimmsten Fall Haftaufenhalt. Verlust der Lebensgrundlage. Man wird zum Gesprächsthema. Menschen wenden sich von einem ab. Man wird als Assozial angesehen. Als Unangepasst. Als Störenfried.Weitere Folgen dieser strikten Verfolgung bzw. der Prohibition nötig ?Man fühlt sich Ausgestoßen. Man wird kriminalisiert, obwohl man das doch gar nich möchte. Man wird in eine Ecke gedrängt, in der man sich nicht wohl fühlt. Man kommt in Kontakt mit wirklich kriminellen Leuten, obwohl man das doch gar nicht möchte. Man ist doch auch nur Mensch. Man traut sich nicht offen darüber zu reden, dass man Drogen konsumiert. Man verheimlicht es. Man begibt sich in Subkulturen. Schließt sich in Kreisen von Gleichgesinnten zusammen. Versucht, nicht aufzufallen. Schließt die Türen hinter sich. Es fehlt an Aufklärung, da das Thema totgeschwiegen wird. Leute sterben an Überdosen, da sie uninformiert bleiben. Schwangere Frauen konsumieren weiter, weil sie nicht wissen ,dass sie ihrem Kind damit schaden. Süchtige sterben einsam und verlassen an abgelegenen Orten. Streckstoffe verunreinigen die Substanzen und führen zu schlechter Gesundheit der Konsumenten.Und ich frage mich nur so : Wer hat euch allen ins Hirn geschissen ?Warum tut ihr das ? Warum lasst ihr uns nicht in Ruhe Leben ? Warum interessiert ihr euch so ungemein für unser Leben ? Wem schaden wir ? Warum denkt ihr, uns schützen zu müssen ? Warum glaubt ihr, Vormund spielen zu müssen ? Warum mischt ihr euch ein ? Wie langweilig ist euer Leben ? Wie weit entfernt von jeglicher Lebensrealität seid ihr Politiker hier in Bayern ? Seid ihr wirklich so Blöd wie ihr tut ? Warum ignoriert ihr die Würde der Menschen ?Wir leben im 21. Jahrhundert. Frauen dürfen mittlerweile wählen. Farbige Menschen haben Rechte. Es gibt nicht mal mehr die Slavenhaltung. Die Todesstrafe wurde abgeschafft.Aber diesen tief verwurzelten Trieb nach Rausch, der in jedem Menschen und sogar bei Tieren vorhanden ist, den versucht ihr zu unterdrücken ? Mit Verboten einzudämmen. Mit negativer Stigmatisierung klein zu bekommen ? Einem der ursprünglichsten und normalsten Dingen der Welt versucht ihr einen faden Beigeschmack zu geben ? Schon der Neandertaler hat sich Pilze aus dem Boden gerissen und ist dann wie blöd ums Lagerfeuer getanzt, falls er überhaupt schon das Feuer entdeckt hatte. Das ist nichts schlimmes, vollkommen OK.Der Mensch sucht die Abwechslung, will sich selbst besser kennen lernen, will Stress abbauen, Spaß haben, seine Grenzen ausloten und testen. Auch und vor allem mit Drogen. Alkohol, Tabak, Tee, Kaffee. Jeder hat unmittelbar immer mit Drogen zu tun. Die einen legal, die anderen aus diversen Gründen nicht. Und natürlich birgt jede Substanz eine individuellen Gefahr in sich, das will ich gar nicht leugnen. Aber man trinkt ja auch keine 15 Tassen Kaffee, weil man weiß, dass das nicht gerade förderlich ist.Wir befinden uns in einer Zeit des Umdenkens und des Umbruchs. Der "War on Drugs" wurde für verloren erklärt. Viele Länder legalisieren immer mehr Substanzen. Amerika das Gras. Portugal und Tschechien so gut wie alles. Die Statistiken sprechen für diese Länder. Es gibt nicht mehr Drogentote oder Konsumenten. Nur weil eine Substanz legalisiert wird, stürzt sie keine ganze Nation ins Verderben. Andere deutsche Städte lernen auch dazu, Aufklärung und Prävention statt Verbote. Drogenkonsumräume für Abhängige, in einem geschützten Umfeld. Mit der Möglichkeit, sich beraten zu lassen. Offener Umgang mit einem tabuisierten Thema. Nur Bayern bleibt hart. Bayern bleibt Bayern. Bayern, die letzte Hochburg der anständigen Menschen. Wo zum Vögeln nochs Licht ausgemacht wird.Verständlich, mit einem Ministerpräsidenten, der der AFD näher steht als seiner Mutterpartei. Der das Hoch der Gefühle dabei verspürt, mit seiner Spielzeugeisenbahn im Hobbyraum zu spielen. Ich muss mich zügeln, ich werde beleidigend.Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass ein Thema wie dieses für viele bayerische Politiker weit weg ist. Das entspricht wohl nicht der Realität der meisten. Schule, Studium, Politik Karriere. Wenig Zeit zur Selbstentfaltung. Da wird dann eben so weitergemacht, wie bisher. Weil bisher hats ja auch funktioniert. Aber ich finde, auch bei uns darf und muss weitergedacht werden. Ich liebe es hier, aber es gibt Dinge, die mich aufregen und die ich nicht in Ordnung finde. Und ich setze mich dafür ein, dass sich diese ändern.Es ist erniedrigend und verletzend, sich Polizeiwillkür ausgeliefert zu sehen. Es raubt einem Selbstvertrauen, man fühlt sich ungerecht behandelt, regelrecht diskriminiert. Man überlegt sich, bestimmte Orte nicht mehr aufzusuchen, man schränkt sich selbst ein, aus Angst. Soweit darf es nicht kommen. Vor der Rakete habe ich gefragt, wie ich es denn in Zukunft schaffen, dass ich mich nicht mehr einer so unwürdigen Prozedur wie der Personenkontrolle aussetzen muss. Die Antwort war, ich solle einfach nicht mehr herkommen. Wenn das die Lösung sein soll, na Danke.Man sollte offensiv fragen und weiterdenken dürfen. Man sollte sich nicht nur auf die herrschende negative Berichterstattung über Drogen konzentrieren, es wird Zeit umzudenken. MDMA in der Psychotherapie, LSD zur Behandlung von Depressionen. Es wird mittlerweile viel experimentiert, das ist gut so.Man sollte Hypothesen aufstellen.Würde es weniger psychische Probleme geben, würden die Menschen ab und an psychadelische Drogen nehmen ?Würde es weniger Fälle von Burn out geben, wäre Marihuana legal ?Würde die Selbstmordrate sinken, wenn man nach der Arbeit legal Opium rauchen könnte ?Ist es nicht mein Grundrecht als Mensch, selbstbestimmt zu entscheiden, was ich als gut oder schlecht für mich selbst erachte ?Würden weniger Menschen Drogen konsumieren, wären diese alle frei erhältlich ?Schneidet sich die Regierung denn nicht selbst damit ins Fleisch, ihren Bürgern Strafen für ein Verhalten aufzuerlegen, für welches diese sich selbstbestimmt entschieden haben ? Ist da nicht paradox ? Bestiehlt sie sich nicht selbst, wenn sie Arbeitende Menschen sanktioniert, bis diese ihre Existenzgrundlage verlieren, keinen Job mehr finden und vom Staat gefördert werden müssen ?Und wem nützt diese Verfolgung ? Geht es wirklich nur darum, den Menschen ihren Spass zu verderben oder glauben die Politiker wirklich, alles Böse lässt sich im Überbegriff "Drogen" zusammenfassen und mit einem Verbot dann aus der Welt schaffen. Ich glaube an den Menschen, ich glaube, er weis selbst am besten, was er will. Danke für eure Fürsorge, aber die wird langsam unnötig und wirkt etwas altbacken.Oder habt ihr Angst vor mündigen Menschen, die tun und lassen was sie wollen, die ihren freien Willen ausleben, die sich nicht durch Verbote unterdrücken lassen. Deren Lebensinhalt dann nicht mehr die Arbeit sein wird, sondern der Spass am Leben. Die sich nicht mehr durch finanziellen Reichtum und vorgegaukelten weltlichen Erfolg befriedigt sehen, sondern durch ein erfülltes Leben.Holt euch am besten Mal n Gramm Koks und feiert ne Nacht durch, vielleicht ändert ihr eure Meinung dann. Aber beeilt euch, vielleicht gibts bald keine After Hours mehr.Manchmal denke ich mir, wir leben in einem Irrenhaus.link zur waschsalon razzia und after hours in nbg https://thump.vice.com/…/nuernberg-razzia-waschsalon-die-ra…

16.2.17 02:10

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