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Eier und was Gott damit zu tun hat.

Vor kurzem überkam mich das Gefühl großer Dankbarkeit. Ein Gefühl, das wohl jeder kennt und welches an sich nichts ungewöhnliches darstellt.Ich wage sogar zu behaupten, dass mir solche Momente relativ häufig unterkommen bzw. ich auch aktiv versuche, mir diese Momente gezielt bewusst zu machen.Momente, in denen ich tiefe Dankbarkeit gegenüber den verschiedensten Menschen, Erfahrungen und Dingen empfinde. Dazu bedarf es bei weitem keiner weltbewegenden Ereignisse, oft reichen dafür Kleinigkeiten aus.Ich finde, man sollte sich öfter vor Augen halten, dass die wenigsten Dinge eine Selbstverständlichkeit darstellen. Vor allem in der westlichen Welt scheint es mir, als würde vieles was wir besitzen weit weniger geschätzt werden, als es an sich verdient hätte. #GesellschaftsanalyseIn diesem Kontext waren die Auslöser der Freude Eier.Genauer gesagt, unglaublich leckere Rühreier ungarischer Art mit Salami, Tomaten und Pepperoni, topiert von einem kleinen Hügel aus Käsefäden, die sich langsam zartschmelzend über das ganze Gericht ausbreiteten.Ich bestellte mir eben jene in einem ungarischen Cafe und sie sollten mein Frühstück für den gerade beginnenden Tag darstellen. Ich war für einige Tage mit einem Freund in Budapest, wir wollten uns die Stadt anschauen, ein wenig Urlaub machen. Die ungarische Währung, deren Namen ich nicht aussprechen und noch viel weniger schreiben kann, ist im Vergleich zum Euro relativ schwach.Dieser Ursache geschuldet bekam ich meine Eier zu einem - von deutschen Verhältnissen ausgehend - fast lächerlich wirkenden Preis.Ich fand es in diesem Augenblick sehr vorteilhaft, in Deutschland geboren worden zu sein und die damit einhergehenden Vorteile einer starken Währung und einer beinahe absoluten Reisefreiheit genießen zu dürfen.Sinngemäß dachte ich mir: " Gott sei Dank komme ich aus Deutschland und der Euro ist hier in Ungarn mehr wert als in Deutschland selber. Andersherum wär ziemlich beschissen, dann wären die Eier schweineteuer für mich".Ein nachvollziehbarer Gedankengang, doch etwas störte mich daran.Ich benutzte eine Redewendung, die mich jedesmal wieder ins Grübeln bringt und auf die zu verzichten Ich mir bereits des öfteren vorgenommen hatte.Doch sie schafft es immer wieder, sich in meinen Sprachgebrauch zu mogeln.Der Punkt meines Anstoßes ist mein Dank an "Gott".Denn ich glaube ja gar nicht an "Gott". Wie kann ich jemandem für etwas danken, den es in meiner Wahrnehmung seit einigen Jahren nicht mehr gibt. Der nicht existent ist. Aber dem ich so oft danke ?Vielleicht denken sich jetzt einige, der hat ja Probleme.Aber ich glaube tatsächlich so wenig an "Gott", dass es mich stört. Ich bin nichtmal einer derjenigen, die etwas in Richtung "irgendetwas höheres gibt es bestimmt, aber keinen alten Mann mit weißem Rauschebart der in den Wolken wohnt" gehend glauben. Nein. Meiner Meinung nach sind wir rein biologische Lebewesen. Nur durch Zufall bin ich kein Meerschweinchen, Hund oder Borkenkäfer geworden, sondern Mensch.Und wenn ich sterbe, bin ich weg vom Fenster. Kein Himmel, keine Hölle, nur noch ein langsam vor sich hinmodernder Körper, der sich im Laufe der Zeit bis auf die Knochen auflösen wird.Ich äußerte diese Gedankengänge meinem Freund, der sich ebenfalls als an nicht "Gott" glaubend bezeichnet.Dabei fiel uns auf, wie tief verwurzelt "Gott" im alltäglichen Sprachgebrauch und Denken doch ist. In Zeiten der Unwissenheit bitten die Menschen ihn um Rat. In auswegslosen Situationen bitten die Menschen ihn um Unterstützung. Passiert etwas schlimmes, geben sie "ihm" dafür die Schuld und fragen sich, wie "er" so etwas zulassen könne.Passiert etwas schönes oder ist man glücklich, danken sie "ihm" dafür.Und immer wieder diese Redewendungen: "Gott sei dank", "um Gottes Willen", in Gottes Namen" usw.Ich möchte nicht näher darauf eingehen, dass ich gläubige Menschen großteils als ziemliche Angsthasen einstufen, die ihr eigenes Schicksal in die Hände eines "Gott" legen - ganz egal welcher Religion sie auch angehören mögen - und sich somit nur allzu gerne ihrer Eigenverantwortung entziehen. Ich denke ich verstehe den Reiz dahinter sehr wohl. Es scheint mir komfortabel zu sein, sein Leben nach alten Büchern und Regel zu leben und sich nicht in mühevoller Kleinarbeit ein eigenes Weltbild aufbauen zu müssen.Und wie sonst sollte man sich in früheren Zeiten die Welt erklären. Umweltkatastrophen, Gewitter, Polarlichter.Es gibt unbestritten einen Haufen Dinge, die "göttlichen" Anschein vermitteln. Aber "So Gott will" ist doch keine Lebensphilosophie, die ins 21. Jahrhundert passt. Wir sind doch mittlerweile aufgeklärt. Dachte ich.Ich habe mich jedoch eher mit der Frage beschäftigt, wie ich persönlich mit diesem Dilemma umgehen soll. Wem gegenüber ich denn nun Dankbar sein kann/soll, für schöne Erlebnisse oder wen ich anklagen kann, wenn das Leben mit schweren Zeiten aufwartet.Es scheint mir nicht weit genug gedacht, meinen Eltern zu danken, dass sie mich in Deutschland gezeugt haben. Und deren Eltern, dass sie meine Eltern in die Welt gesetzt haben. Und so weiter. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden, dass meine Dankbarkeit niemandem geschuldet sein muss.Ich bin schlicht und einfach dankbar, wenn mir positives widerfährt. Und befinde ich mich in Situationen, die ich als negativ empfinde, versuche ich diese zu ändern.Selbstbestimmt und ohne göttlichen Beistand. Und wenns mal Scheisse läuft, läufts hald Scheisse. Wird schon wieder. Nur den Humor nicht verlieren.Gott sei Dank das immer noch ganz gut funktioniert.

10.3.17 12:46, kommentieren

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ohne titel

"Und dann blitzen da manchmal Erinnerungen an früher durch, als ich noch ein Kind war. Am häufigsten, wenn ich nachts aus einem fahrenden Auto auf die Lichter der Straße schaue und die immergleichen Leitplanken vorbeirauschen sehe, welche mich in einen leicht dämmrigen Zustand befördern. Wie früher. In solchen Momenten ist die Zeit einfach stehen geblieben. Wie glücklich mich dieser Zustand der leichten Melancholie gepaart mit den schönen Erinnerungen von all den längst vergessenen Fahrten doch macht."

23.2.17 00:39, kommentieren